Seitenraddampfer Waldstätter

Eigner: Chräsi Schuler
Standort: Vierwaldstättersee Brunnen CH

Technische Daten
Boot
Dampfkessel
Dampfmaschine

Dampfkessel

Neuer Dampfkessel für den Waldstätter

Wie auch beim Waldstätter, hatte ich bei meinen früheren Dampfbooten Liberty-Belle und Dämpfli immer Sorgen mit der Dampfmenge. Das Überdruckventil benötigte ich während der Fahrt nie, da der Dampf für die Maschinen nie reichte. Auch geübte Heizer wie Walter Bünter mit seinen 30 Jahren Praxis haben nicht mehr Dampf produziert. Die Leistung pro m2 Heizfläche mit Holz- oder Kohlefeuerung wird in der Theorie angeblich um 35 Kg pro Stunde angegeben. Auf der sicheren Seite sind die Praxiszahlen von Charles Ball mit 17 kg/h pro m2 bei der Verwendung von Holz und 20 kg/h pro m2 mit Kohle. Mit diesen Leistungen können auch durchschnittliche „Dampfböötler“ wie ich ihre Dampfmaschinen mit Freude betreiben. Durch den Einsatz eines Bläsers ist die Leistung grösser. Ob sich das bei hartem Einsatz lohnt und dem Rost wie den Rohren gut tut, muss man die Dampfrennfreaks fragen, die sich nachher mit Kesselreparaturen beschäftigen.
Ich habe dieses Jahr einen Dampfkessel mit genügend grosser Heizfläche gekauft, um meine „dampffressende“ Zwillingsmaschinen zu betreiben. Eigentlich wollten Walter Bünter und ich Dampfkessel in 3 Grössen nach dem Vorbild von Escher-Wyss resp. LIFU mit verschraubten Heizrohren bauen. Die Zeichnungen und die Vorbesprechungen mit dem Dampfkesselinspektorrat waren schon weit fortgeschritten, da habe ich mich entschlossen, das Projekt aus Zeitgründen und Angst vor einem Flop aufzugeben.
Ich bestellte einen Wasserrohrkessel mit 9 m2 Heizfläche von der Firma Balson Stein am Rhein. Bisher konnte ich mich mit diesem Kessel nicht anfreunden, da das innere des Kessels nicht zugänglich ist und das Auswechseln von Heizrohren schwer möglich ist. Die Betreiber dieses Kesseltyps rühmen diesen der guten Leistung im Vergleich zum Holzverbrauch. Für das Einsetzen einer Verbrauchsanode 3 x 70 cm wurde eine zusätzliche Muffe angebracht. Um zu sparen, wollte ich die rostfreien Kugelhahnen PN 63 vom ersten Dampfkesse wiederverwenden. Leider sind die Dichtungen um die Kugel weich und undicht geworden, da der neue Kessel mehr Leistung hat und demnach die Dampftemperatur höher ist. Nun habe ich Kugelhahnen PN 85, welche sich bisher bewährt haben. Ich weiss, dass es schönere Ventile gibt, habe aber keine gefunden. Das Abdichten von Rohrverschraubungen mit verschiedenen temperaturfesten Pasten (mit und ohne Silikon) und handelsüblichen Teflonbändern ist auch nicht das gelbe vom Ei! Angeblich gibt es spezielle Teflonbänder für Dampf. Diese sind aber sehr teuer. Von Beat Bolzern habe ich Teflonschnur Loctite 55 erhalten, welche ich nun teste  
Die Aussenverschalung von Mario Ehrat Stein am Rhein ist aus Aluminiumblech, die Stirnseiten aus wasserfestem Sperrholz, damit ich Manometer usw. einfach montieren kann. Die Isolation ist zweischichtig. Feuerseitig ist eine feste 25 mm starke Platte. Das Material ist optisch wie gepresstes Sägemehl und mechanisch nicht belastbar aber bis 1000° feuerfest. Mit Wasserglas bestrichen ist diese abriebresistent. Die zweite Schicht ist eine brandfeste Steinwolle 500° 30 mm stark mit Alufolie.  Durch diese gute Isolation wird die Aussenhaut nur handwarm. Auf die Bodenplatte aus Eisenblech legte ich einen 15 mm hohen Eisenrost, damit die daraufliegende 40 mm starke Isolationsplatte von allfällig liegendem Wasser nicht nass werden kann. Darauf legte ich 25 mm starke Chamotte-Platten
 als Wärmespeicher. Grosses Gewicht legte ich auf die einfache und schnelle Demontierbarkeit der Verschalung und Isolation, zur Reinigung und Kontrolle des Druckteils.  
Den ovalen Aussenkamin konnte ich ein wenig verkürzt wiederverwenden, da der Innenkamin mit einem Ø von 200 mm gut Platz hatte. In der Lage ist der neue Kessel etwa 10 cm höher und ein wenig näher bei der Maschine. Der Kamin mit 5° Neigung ist an derselben Stelle um die Optik beizubehalten.
Dank Frieder Busch konnte ich in England schöne Messingwasserstände erwerben, welche mit einem Messingmanometer aus meiner Sammlung dem modernen  Kessel ein angenehmes Gesicht geben. 
Da ich wegen meinen kaputten Knien und meinem beträchtlichen Gewicht Mühe habe Holz zu schleppen, zu heizen und den Kessel zu säubern, entschied ich mich für einen Ölbrenner. Auf der Liberty-Belle übte ich jahrelang mit einem Heizölbrenner mit Dampfzerstäubung. Die technischen Probleme meisterte ich weitgehend. Aber das Boot, meine Passagiere und ich trugen alle den durchdringenden Heizölgeschmack. Deshalb habe ich einen Zweistufen-Industriebrenner von Elco mit 70 / 130 kW Leistung eingebaut. Mit einer 2.5 Gallonendüse benötigt die Anlage 12 lt Heizöl auf der ersten Stufe, 17 lt auf der zweiten Stufe. Beim ersten Test beträgt die Abgastemperatur auf der Stufe 2 350° im Kamin. Mit dem Einbau von zwei Leitblechen (Schikanen) im Kessel ist die Abgastemperatur auf der ersten Stufe 176°. Bei der zweiten Stufe 210°.
Der rostfreie 160 Liter Tank ist in der Mitte des Bootes eingebaut, damit das Boot gut im Wasser liegt. Den Strom für den 230 Volt Brenner liefern mir zwei 12 Volt Bleibatterien à 150 Ampere über einen Umformer. Damit kann ich den Brenner 6 ½ Stunden betreiben, Landstrom sei Dank. Da der Waldstätter mit 50 - 60 U/Min. gefahren wird, kläre ich momentan ab, ob die Konstruktion eines Kunststoff-Zahnkranzes mit innenliegender Zahnung am Schaufelrad technisch möglich ist. Dies gibt bei einem Ø 860 mm auf Ø 30 mm = 1400 – 1680 U/Min. Bei einem Versuch mit einer Stuart 5A kann der Generator die Hälfte des Stromverbrauchs nachspeisen.